Hereinspaziert!

Tritt ein in eine Welt voller Geschichten zum 
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Lesung im Antiquariat Diderot

Die gemeinsame Lesung mit den Kollegen vom Kieler Krimi Kartell Kurt Geisler, Jörg Rönnau, Henning Schöttke und Simon Voß am 13.11.2019 hat uns allen sehr viel Spaß gemacht. Ihr wart ein tolles Publikum und Jasmin Fritz vom Antiquariat Diderot eine wunderbare Gastgeberin! Leider findet die Lesung in diesem Jahr wegen Corona nicht statt.

Hier eine Auswahl meiner Kurzgeschichten, die sich für Lesungen eignen: 

Im Bilde 
Letzte Worte
Frieden finden
Ordnung schaffen
Gewitter
Eingangsstufe
Eine verhängnisvolle Verbindung

Anfragen gerne an

info@sylviagruchot.de

Im Bilde
Seit 25 Jahren bin ich mit meiner Frau verheiratet. Und ich liebe sie wie am ersten Tag. Heute ist unser Hochzeitstag und ich habe das Bedürfnis, Ihnen unsere Geschichte zu erzählen. Naja, sofern es mir gelingen sollte. Denn es liegt nicht in meiner Hand, Kontakt zu meinen Mitmenschen aufzunehmen. Sie müssen schon ein besonders aufmerksamer Beobachter und auch Zuhörer sein. Aber lassen Sie mich von Anfang an erzählen. (...)

Letzte Worte

 Es war Pauls 70. Geburtstag. Seine Martha und er hatten viele Verwandte und Freunde in ihr Haus an der Kieler Förde eingeladen, schließlich war es eine besondere Zahl. Er war heilfroh, dass er an seinem Ehrentag noch bei guter Gesundheit war. Früher war er ein bedeutender Anwalt gewesen, ein anstrengender Beruf.

Früher ‒ das lag gerade mal fünf Jahre zurück. Manchmal fühlt sich eben eine kleine Zeitspanne wie eine Ewigkeit an, manchmal wie ein ganzes Leben. (...)

Frieden finden 

 Das Zimmer ist gar nicht so kalt und abweisend, wie sie erwartet hat. Die Wände, an denen Landschaftsbilder hängen, sind in einem zarten Grün gestrichen. Das Deckenlicht ist grell, deshalb löscht sie es und schaltet stattdessen die Wandleuchte am Kopfende seines Bettes ein. Die blassen Strahlen der späten Nachmittagssonne erreichen nicht sein Bett, dafür steht es zu weit vom Fenster entfernt, und viel Licht verbreitet sie ohnehin nicht an diesem trüben Tag. Man hat ihm wohl das Bett ganz hinten an der Tür gegeben, weil er die Augen seit Tagen nicht mehr geöffnet hat. Sie stellt sich vor, dass er in einem sanften Traum wie auf einem Ozean dahingleitet. Sein Atem geht gleichmäßig und sein Herzschlag auch, wie sie am stetigen Piepton des kleinen Monitors neben seinem Bett hören kann. (...)

Ordnung schaffen 

Er hatte sich warmes Wasser ins Waschbecken einlaufen lassen. Jetzt war es fast voll, und er drehte den Wasserhahn ab. Dabei schielte er zur Rasierklinge, die auf der rechten Ablage bereitlag, ganz neu und scharf. Er hatte sie heute Morgen in der Drogerie am Ivensring gekauft. 

Nun war es schon später Nachmittag. In der Küche seiner Wohnung im fünften Stockwerk des inzwischen verwahrlosten Hochhauses in Kiel-Dietrichsdorf glänzte die Spüle, der Herd war geschrubbt, und das Geschirr stand ordentlich gestapelt im Küchenschrank. Er hatte den ganzen Tag gewaschen, getrocknet und gebügelt. Jetzt hing seine Kleidung geordnet im Schrank, und die Handtücher lagen Kante auf Kante im Regal. 

Ordnung hatte er beim Bund gelernt. Eigentlich hatte er sich damals dort recht wohlgefühlt, obwohl er anfangs Angst vor dem Neuen gehabt hatte. Er mochte keine Veränderungen. (...)



Eingangsstufe 

Tanja war spät dran. Ausgerechnet zu ihrer ersten Lesung! Als eine von vier Autoren sollte sie heute Abend ein Publikum unterhalten. Aber die Lehrerkonferenz hatte länger gedauert als erwartet und der Rendsburger Kanaltunnel war mal wieder verstopft gewesen. 

Zuhause in Kiel angekommen, hatte sie gerade noch Zeit, ein Kleid und einen Blazer überzustreifen, sich nachzuschminken, Handtasche und Manuskript zu greifen und ins Auto zu springen. Ihr Mann saß bereits bei laufendem Motor am Steuer und gab zügig Gas.  

Dennoch saß sie ungeduldig neben ihm und gab nicht nur vor einer gelben Ampel Anweisungen. „Da kannst du noch rüberfahren!“ Angestrengt kniff ihr Mann die Augen zusammen und drückte weiter auf die Tube. „Nimm die nächste Abzweigung, ist ne Abkürzung!“ Folgsam änderte er mit einer ruckartigen Bewegung den Kurs. „Ist aber eine Einbahnstraße, Tanja. Falsche Fahrtrichtung.“ Sie schaute nur kurz auf die Uhr. „Egal. Mut zur Lücke. Schneller!“ (...)

Eine verhängnisvolle Verbindung

Es war ein ganz normaler Sonntagnachmittag, an dem der Anruf kam, der unser aller Leben verändern sollte. Es vergeht seitdem kein Tag, an dem ich nicht darüber nachsinne, was ich hätte besser machen können. Hätte ich die Katastrophe von mir und meiner Familie abwenden können, wenn ich nicht ans Telefon gegangen wäre? – Aber nein, dadurch hätte ich das Unvermeidliche höchstens hinausgezögert.

Spätabends, wenn wir die Wohnung verdunkelt, die Klingel abgestellt und alle Telefone auf lautlos gestellt haben, diskutieren mein Mann und ich über die grausame Fügung, die unser Leben genommen hat. Wie aus dem Nichts hat das Schicksal erbarmungslos zugeschlagen. Dabei kann ich mit Recht und Fug behaupten, dass wir in unserer beider Leben nichts, wirklich gar nichts verbrochen hatten, was das Unheil rechtfertigen würde, welches über uns gekommen ist. (...)

Was wäre, wenn...?

Obwohl 1965 in Ratzeburg geboren, bin ich eine waschechte Kielerin.

Obwohl erst mit Ende dreißig in den Dienst getreten, bin ich Lehrerin aus Leidenschaft.

Obwohl mit beiden Beinen im Leben stehend, fasziniert mich die Frage „was wäre, wenn …?“

Bei alltäglichen Beobachtungen und Erlebnissen stellt sich mir manchmal diese Frage. Dann erzähle ich davon in meinen Geschichten.

Was wäre, wenn die Wirklichkeit sich nur ein klein bisschen verschieben würde? 

Was wäre, wenn der zeitliche Ablauf sich nur ein wenig verzögerte?

Was wäre, wenn Sie eine dieser Geschichten erleben würden?