Hereinspaziert!

Tritt ein in eine Welt voller Geschichten zum 
Nachdenken
Gruseln
Lachen
Staunen!


Lesung am 25. September 2021 im Ivenspark, Kiel-Dietrichsdorf...

...vor einem entspannten und gut gelaunten Pubklikum!

Lesung am 18. September 2021 am Kunst-Kiosk in Heikendorf

Anlässlich der Kunstausstellung der Künstlerin Gudrun Lahrsen haben Henning Schöttke und ich "fiese" kleine Kurzgeschichten gelesen. Das Wetter hat mitgespielt und die Bänke waren voll besetzt. Es hat "Mordsspaß" gemacht!

Lesung im Antiquariat Diderot

Die gemeinsame Lesung mit den Kollegen vom Krimi Kartell Kurt Geisler, Jörg Rönnau, Henning Schöttke und Simon Voß am 13.11.2019 hat uns allen sehr viel Spaß gemacht. Ihr wart ein tolles Publikum und Jasmin Fritz vom Antiquariat Diderot eine wunderbare Gastgeberin! Leider findet die Lesung in diesem Jahr wegen Corona nicht statt.

Hier eine Auswahl meiner Kurzgeschichten, die sich für Lesungen eignen: 

Im Bilde 
Letzte Worte
Frieden finden
Nice
Eingangsstufe
Gewitter

Anfragen gerne an

info@sylviagruchot.de

Im Bilde
Seit 25 Jahren bin ich mit meiner Frau verheiratet. Und ich liebe sie wie am ersten Tag. Heute ist unser Hochzeitstag und ich habe das Bedürfnis, Ihnen unsere Geschichte zu erzählen. Naja, sofern es mir gelingen sollte. Denn es liegt nicht in meiner Hand, Kontakt zu meinen Mitmenschen aufzunehmen. Sie müssen schon ein besonders aufmerksamer Beobachter und auch Zuhörer sein. Aber lassen Sie mich von Anfang an erzählen. (...)

Letzte Worte

 Es war Pauls 70. Geburtstag. Seine Martha und er hatten viele Verwandte und Freunde in ihr Haus an der Kieler Förde eingeladen, schließlich war es eine besondere Zahl. Er war heilfroh, dass er an seinem Ehrentag noch bei guter Gesundheit war. Früher war er ein bedeutender Anwalt gewesen, ein anstrengender Beruf.

Früher ‒ das lag gerade mal fünf Jahre zurück. Manchmal fühlt sich eben eine kleine Zeitspanne wie eine Ewigkeit an, manchmal wie ein ganzes Leben. (...)

Frieden finden 

 Das Zimmer ist gar nicht so kalt und abweisend, wie sie erwartet hat. Die Wände, an denen Landschaftsbilder hängen, sind in einem zarten Grün gestrichen. Das Deckenlicht ist grell, deshalb löscht sie es und schaltet stattdessen die Wandleuchte am Kopfende seines Bettes ein. Die blassen Strahlen der späten Nachmittagssonne erreichen nicht sein Bett, dafür steht es zu weit vom Fenster entfernt, und viel Licht verbreitet sie ohnehin nicht an diesem trüben Tag. Man hat ihm wohl das Bett ganz hinten an der Tür gegeben, weil er die Augen seit Tagen nicht mehr geöffnet hat. Sie stellt sich vor, dass er in einem sanften Traum wie auf einem Ozean dahingleitet. Sein Atem geht gleichmäßig und sein Herzschlag auch, wie sie am stetigen Piepton des kleinen Monitors neben seinem Bett hören kann. (...)

Nice

Kopfüber trieb sie dümpelnd zwischen den Fischerkuttern im Büsumer Hafenbecken. Ihr Haupthaar bewegte sich sachte im Rhythmus des leichten Wellengangs. Beide Arme hingen locker links und rechts neben ihrem Oberkörper herab. Entgegen der Darstellungen, die man aus dem Fernsehen kennt, lagen ihre Beine nicht ausgestreckt auf der Wasseroberfläche, sondern waren im Neunzig-Grad-Winkel nach unten gesackt, so dass es aussah, als würde die Leiche einen Diener machen. 
 Denn darüber, dass es sich bei ihr um eine Tote handelte, gab es angesichts der faustgroßen blutigen Delle am Hinterkopf keinerlei Zweifel. 

Merkwürdigerweise trieb ihr Weinglas nur wenige Meter von ihr entfernt in den Wellen. Selbst ein Rest des Rotweins, den sie vor Kurzem daraus getrunken hatte, schwappte darin hin und her. (...)

Eingangsstufe 

Tanja war spät dran. Ausgerechnet zu ihrer ersten Lesung! Als eine von vier Autoren sollte sie heute Abend ein Publikum unterhalten. Aber die Lehrerkonferenz hatte länger gedauert als erwartet und der Rendsburger Kanaltunnel war mal wieder verstopft gewesen. 

Zuhause in Kiel angekommen, hatte sie gerade noch Zeit, ein Kleid und einen Blazer überzustreifen, sich nachzuschminken, Handtasche und Manuskript zu greifen und ins Auto zu springen. Ihr Mann saß bereits bei laufendem Motor am Steuer und gab zügig Gas.  

Dennoch saß sie ungeduldig neben ihm und gab nicht nur vor einer gelben Ampel Anweisungen. „Da kannst du noch rüberfahren!“ Angestrengt kniff ihr Mann die Augen zusammen und drückte weiter auf die Tube. „Nimm die nächste Abzweigung, ist ne Abkürzung!“ Folgsam änderte er mit einer ruckartigen Bewegung den Kurs. „Ist aber eine Einbahnstraße, Tanja. Falsche Fahrtrichtung.“ Sie schaute nur kurz auf die Uhr. „Egal. Mut zur Lücke. Schneller!“ (...)

Gewitter
Das Gewitter hat sich verzogen.  Suchend schaue ich mich im Zimmer nach ihm um. Dabei gleitet mein Blick über den umgestürzten Sessel und die zerbrochene Vase, deren Scherben in einer Wasserlache auf dem Teppich liegen, umgeben von zerrupften Rosen. Unsere Hochzeitsbilder liegen, vom Kaminsims gefegt, auf dem Boden verstreut. Mit einer Mischung aus Genugtuung und schlechtem Gewissen bemerke ich ihre zerstörten Rahmen. 

 

Fünfundzwanzig Jahre Ehe sind eine lange Zeit, finden Sie nicht auch? Ein Vierteljahrhundert immerhin. 

Wenn dies kein Anlass zum Feiern ist, was dann? 

 

Während ich hier stehe und mir das Chaos anschaue, grollt der Donner in der Ferne. Unwillkürlich spanne ich die Kiefermuskeln an. (...)

 


 


Was wäre, wenn...?

Obwohl 1965 in Ratzeburg geboren, bin ich eine waschechte Kielerin.

Obwohl erst mit Ende dreißig in den Dienst getreten, bin ich Lehrerin aus Leidenschaft.

Obwohl mit beiden Beinen im Leben stehend, fasziniert mich die Frage „was wäre, wenn …?“

Bei alltäglichen Beobachtungen und Erlebnissen stellt sich mir manchmal diese Frage. Dann erzähle ich davon in meinen Geschichten.

Was wäre, wenn die Wirklichkeit sich nur ein klein bisschen verschieben würde? 

Was wäre, wenn der zeitliche Ablauf sich nur ein wenig verzögerte?

Was wäre, wenn Sie eine dieser Geschichten erleben würden?